Zum Beerfest

von Christoph Kalb 

Christoph Kalb

zur Ehre

und zur Erinnerung

dem geschätzten Mitbürger, Hauptlehrer und Kantor (1 895-1 980), einem in der engeren Heimat bekannten Landschaftsmaler, dessen Bilder noch heute gefragt sind. Wir möchten folgendes kleine Gedicht, das so viel Wahres beinhaltet, unseren Freunden und Gästen nicht vorenthalten. Herr Kalb hat es anlässlich des Heidelbeerfestes von 1966 geschrieben. Die Familie Kalb hat es uns freundlicherweise zur Verfügung gestellt.

Es ist so Sitte es ist so Brauch

In Giese! gibt‘s ein Beerfest auch.

Seit alters her sind wir dem Wald verschrieben

Und sind ihm bis heut‘ auch treu geblieben.

Was sagen die Ahnen, könnten sie reden

Und könnten für mich hier ans Sprachrohr treten:

Wir haben fest am Alten geklebt

Und nicht so schnell wie heute gelebt.

Auch ging es hier bei uns sehr mager zu,

Der Fleischtopf hatte die längste Zeit Ruh.

Der liebe Wald sah unsre Not

Und mancher Baum ging für uns tot.

Mit Axt und Säge, mit Mut und Glück

Holten wir uns so Stück für Stück

Und dünn gespalten zu Päckchen vereint

Es dann in Fuldaer Küchen erscheint.

Mit Schubkarrn ging es auf Fulda zu

Gerastet wurd‘ auf der Schubkarrnsruh.

Die Männer, die stolz heute Auto fahren,

Wollten nichts wissen vom "Einradfahrenr".

Wir Frauen fuhren und dann und wann

Die armen Kinder als Vorgespann.

Und was ,wir an Kreuzern da eingenommen,

Das haben die Fuldaer Kaufleut bekommen.

Und sonstige Sachen Gott erhalt‘s

Die wurden mühselig heim gefahren

Auf Schubkarrnsräder. Wollt ihr euch so plagen?

Und kam die Beerzeit, liebe Leute

War das ne Not und auch ne Freude.

Das ganze Dorf sah sclrwarz wir rannten

Mit allen unseren Verwandten

Mit Eller, dod, mit Vater und Mutter,

Mit trocknem Brot mit Salz und Butter

Dem Wald die Taschen auszuleeren.

0 guter Wald! 0 schwarze Beeren

Wir alle wissen euch zu ehren.

Wie oft habt ihr in harter Not

Mit uns verdient das täglich´Brot.

Im Krieg sind alle euch nachgelaufen

Und wollten euch suchen und verkaufen,

Die von dem Land, die von der Stadt

Sie werden die Heide/heeren nicht satt.

Und jetzt wo erlesene Zeiten wallten,

Gott mög‘ sie lang uns noch erhalten,

Da wollen wir in Giesel nicht vergessen,

Was wir an den Heidelbeeren besessen.

Drum wird heut wie ehemals der Beerheinz

                                                      [geschlacht,

Der Beerziss, der fleißgen wird Ehre gebracht

Und Freude sei uns allen geschenkt

durchs Beerfest, das Heimat und Sitte gedenkt.